Geschichte

Die Kunsthalle Basel

Seit ihrer Grundsteinlegung 1869 ist die Kunsthalle Basel ein wichtiger Ort im Basler Kunstgeschehen. Initiant, Gründer und bis heute privater Träger der Kunsthalle ist der Basler Kunstverein.

An der Eröffnungsfeier im Frühjahr 1872 umriss Vereinspräsident Johann Jakob Im Hof die Gründungsziele mit den Worten, der Kunst eine ‚Stätte‘ zu bieten, an welcher die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Künstlern und Kunstfreunden gepflegt und das Kunstinteresse der „Vaterstadt“ angeregt, gefördert und verbreitet würden.

Das neoklassizistische Gebäude am Steinenberg wurde nach den Plänen des Architekten Johann Jakob Stehlin erbaut. In direkter Nähe zum Stadttheater und dem Stadtcasino, das als Konzerthalle dient, ergänzt es das städtebauliche Kulturensemble um die Sparte der bildenden Kunst.

Anfänglich dienten die Räumlichkeiten der Kunsthalle vor allem der Verwahrung und Präsentation der Kunstsammlung des Vereins. Die Ausrichtung der Kunstpflege, die zu Beginn noch nationalistischen Idealen verpflichtet war, wurde bald überdacht. Mit Übergabe der bis zur Jahrhundertwende ehrenamtlich geführten Geschäfte an einen Konservator wurde der Grundstein für einen modernen und lebendigen Ausstellungsbetrieb gelegt.

Nicht ohne Stolz blickt der Basler Kunstverein auf eine lange Reihe von Ausstellungen zurück, welche der Geschichte der Kunst im 19. und 20. Jahrhundert Impulse vermittelten und retrospektiv als zukunftsweisend anzuerkennen sind. Einzelausstellungen von Ernst Ludwig Kirchner, Edvard Munch, Vincent van Gogh, Marc Chagall, Paul Klee, Emil Nolde oder Piet Mondrian sind prominente Beispiele für eine frühe und aufgeschlossene Rezeption in Basel. Mit der ‘neuen amerikanischen Malerei’, die 1958 hier erstmals umfassend dargestellt auf ein europäisches Publikum traf, erweiterte die Kunsthalle ihre Perspektive.
Die Kunsthalle Basel versteht sich heute als Schnittstelle zwischen Kunstschaffenden und Kunstvermittelnden, als Begegnungsort zwischen lokaler und internationaler zeitgenössischer Kunst, als Austragungsort kritischer Diskurse über die Produktion und Repräsentation von Kunst.

Der Basler Kunstverein und die Ursprünge der Kunsthalle

Der Wunsch nach einem eigenen Ausstellungslokal war in Kreisen des Basler Kunstvereins und Basler Künstlergesellschaft schon in den 1840er Jahren präsent.
Die Gründung des Basler Kunstvereins im Jahre 1839 fiel in eine Zeit, in der die Bemühungen um eine gesamtschweizerische Kunstpflege gross waren. So verlangten die Statuten des Basler Kunstvereins, durch Kunstausstellungen und den „Ankauf von Kunstprodukten“ zur „Hebung der Schweizer Kunst“ beizutragen. Hierauf wurde die „Allgemein Schweizerische Kunstausstellung“ (1840), die sogenannte ‚Turnus-Ausstellung‘ lanciert. Die im Zweijahresrhythmus in verschiedenen Schweizer Städten stattfindende Ausstellung hatte ihren Auftakt immer in Basel. Als Ausstellungslokal musste der „Markgräflerhof“ herhalten, der bald darauf zum Spital umgebaut werden sollte. Das Vereinsversprechen, regionale Kunst zu zeigen, wurde 1841 mit einer Retrospektive zum Basler Kunstschaffen der vergangenen drei Jahrhunderte eingelöst. Ausstellungsort war hier das Baslerische National-Museum. Für die in losem Rhythmus organisierte „Permanente“, welche lokalen Kunstschaffenden über mehrere Monate eine Präsentations- und Verkaufsplattform bot, musste auf Räume des Stadtcasinos, auf das „rote Schulhaus“ an der Rittergasse, sowie das Gebäude der Allgemeinen Lesegesellschaft zurückgegriffen werden.
Der Wunsch, ein eigenes Ausstellungslokal zu besitzen, wurde erst im Zuge der Fusionierung mit der Basler Künstlergesellschaft im Jahre 1864 greifbar.

Architektur und Nutzung

Johann Jakob Imhof, damals noch Vorstandsmitglied der Künstlergesellschaft (gegründet 1812), startete 1854 den Basler Rheinfährenbetrieb. Die Erträge sollten in einen Fonds zur Errichtung eines Vereins- und Ausstellungslokals fliessen. Mit der Fusionierung 1864 ging der Fonds an den neu gegründeten Basler Kunstverein über. Die Planungen einer Kunsthalle schritten somit voran. Als geeigneter Bauplatz wurde das Areal zwischen Steinenberg und Klostergasse bestimmt und Johann Jakob Stehlin konnte als Architekt für das Projekt gewonnen werden.

Der Eingang des damals rechtwinklig angelegten Baus richtet sich bodeneben zum Steinenberg hin aus. Im Erdgeschoss waren anfänglich die permanente Sammlung des Kunstvereins, die Bibliothek und die Sitzungszimmer untergebracht. Im Sockelgeschoss, wo sich heute das populäre Restaurant Kunsthalle befindet, war das Vereinslokal situiert. Das Obergeschoss mit seinem monumentalen Oberlichtsaal stand wechselnden Ausstellungen zur Verfügung. Die künstlerische Ausschmückung durch Arnold Böcklin, Carl Brünner, Ernst Stückelberg und Charles Iguel sollten Geschichte und Programmatik des Vereins im Geist ihrer Zeit visualisieren.

Kunsthalle Basel 1874

Der Ursprungsbau wurde erst um ein hofseitig angelegtes Bildhaueratelier und angrenzende Dienstzimmer erweitert. Heute befindet sich dort die Campari Bar. Mehrere Anbauten kamen seither hinzu. 1885 erfolgte die Grundsteinlegung für eine Skulpturenhalle, 1898 wurde der Gartenflügel über den Ateliers um ein Stockwerk erhöht. 1927 fand die Anlage mit der Erhöhung der Skulpturenhalle um ein Bürogeschoss ihren äusserlichen Abschluss.

Kunsthalle Basel 1892

Die zunehmende finanzielle Belastung durch den Unterhalt des Gebäudes veranlasste den Verein zu einer temporären Vermietung: Hauptgebäude und Seitenflügel der Kunsthalle wurden dem Staat zur Verfügung gestellt, der hier die bis zum Bau des Kunstmuseums heimatlos gewordene öffentliche Kunstsammlung unterbrachte. Die anhaltend kritische Finanzlage sollte das Gebäude 1950 sogar ganz gefährden: beinahe hätte die Kommission das verlockende Angebot einer Grossbank angenommen, das Gebäude zu verkaufen, um sich später in einem Neubau der Investoren einzumieten. Die Abbruchpläne verliefen im Sand. Zwischen 1969 und 1973 kam es zu einer gründlichen Renovation.

Kunsthalle Basel 1976

Seit Juni 2004 zeigt sich die Kunsthalle Basel in ihrer alten Würde wieder neu: Die Architekten Miller & Maranta passten im Auftrag des Basler Kunstvereins das Gebäude den Bedürfnissen des aktuellen Kunstbetriebs an. Die Proportionen blieben unangetastet, die Aufteilung der Räume wurde vor allem im Untergeschoss grosszügig zusammengefasst. Die technische Infrastruktur wurde verbessert. Der Umgang mit den Ausstellungssälen wurde somit flexibler. Für den Besucher sind die schwellenfreien, lichten Säle leicht zu passieren und die Kunstwerke in abwechslungsreichen kuratorischen Raumkonzepten zu erleben.

Die Graf Zeppelin in Basel (PDF) von René Frauchiger
Ein Begleittext für die Kunsthalle Basel zum Release des literarischen Reiseführers Der Ort, in dem ich leben will, wenn ich nicht in einem Bob Dylan-Lied leben kann des Narr, dem narrativistischen Literaturmagazin.

Kunsthalle Basel 2016

Ausstellungsgeschichte

Die Gründung des Basler Kunstvereins mit der konstituierenden Versammlung am 25. November 1839 wurde massgeblich durch den Textilfabrikant und späteren Bürgermeister der Stadt Basel, Felix Sarasin (1797 – 1862) beeinflusst. Als erster Präsident des Basler Kunstvereins, sah nach der allmählichen Auflösung der 1812 gegründeten ersten Basler Künstlergesellschaft die Notwendigkeit für eine Neugründung eines Kunstvereins in Basel gekommen. Seine Heimatstadt sollte wie Bern und Zürich ebenfalls wieder einen florierenden Verein zur Kunstpflege besitzen und sich in der gerade entstehenden Dachorganisation, dem Schweizerischen Kunstverein, engagieren.

1840 – 1908: Die erste Ausstellung, der Bau der Kunsthalle, der erste Konservator

Als erste Ausstellung richtete der neu gegründete Verein die Allgemeine schweizerische Kunstausstellung im Jahr 1840 aus. Da der Kunstverein noch keinen festen Ausstellungsort besass, nutzte man den Leerstand des sogenannten „Markgräflerhof“, der später zu einem Spital umgebaut wurde. Weitere Ausstellungsorte wie das Basler Nationalmuseum, das „Stadtcasino“, das „rote Schulhaus“ sowie die Räume der Lesegesellschaft sollten folgen.

Ähnlich den räumlichen Bedingungen wurden auch die Ausstellungen von wechselnden Verantwortlichen des Vereins oder durch von ihm bestimmte Personen durchgeführt. Beides sollte sich nach der Errichtung der Kunsthalle ändern.

Als Pendant zur gesamtschweizerischen Ausrichtung des Basler Kunstvereins durch die Organisation der Turnusausstellung, der Allgemeinen schweizerischen Kunstausstellung, gründete sich 1842 die Basler Künstlergesellschaft ein zweites Mal. Unter dem Vorsitz von Johann Jakob Imhof entwickelte sich daraus ein Verein zur lokalen Kunstpflege in Basel, der sich seit 1854 durch den Betrieb von Rheinfähren als finanziell unabhängig und durch starke Vereinsaktivität auszeichnete. Gerade der Wunsch eines ständigen Vereinslokals war eine Triebfeder des Zusammenschlusses beider Vereine im Jahr 1864. Mit den Einnahmen aus dem Fährbetrieb sowie dem Vereinskapital des Basler Kunstvereins war es nun möglich derartige Grossprojekte wie den Bau der Kunsthalle umzusetzen.

Als geeigneter Bauplatz wurde das Areal zwischen Steinenberg und Klostergasse bestimmt. 1869 erfolgte die Grundsteinlegung der Kunsthalle nach den Plänen des Architekten Johann Jakob Stehlin. Ausrichtung und Gestaltung des Gebäudes lehnten sich an dem ebenfalls von Stehlin errichteten Stadttheater an: Gemeinsam mit dem Stadtcasino setzten die drei Gebäude einen städtebaulichen Akzent, der Musik, Theater und bildende Kunst zu einem urbanen Ensemble vereinte.

Der Ausstellungsbetrieb im 1872 eröffneten Haus blieb jedoch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts meist Mitgliedern der Kommission des Vereins oder wechselnden assoziierten Personen überlassen. Dies änderte sich im Jahr 1909, als der erste Konservator Wilhelm Barth die Nachfolge des damaligen Vereinssekretärs Emanuel Bernoulli übernahm.

1909 – 1934 Wilhelm Barth. „Die Brücke“, Matisse und Braque: Erste internationale Ausstellungen

Wilhelm Barth (1869 – 1934), der selbst Landschafts- und Porträtmaler war und längere Zeit in Frankreich verbrachte, wuchs langsam in die Rolle eines Ausstellungsfachmanns hinein. Obwohl er ältere Geschichte studiert hatte, war sein Kunstverständnis geprägt durch Heinrich Wölfflin, dem damaligen Ordinarius für Kunstgeschichte der Universität Basel, dessen Seminare er besuchte. Barth lag viel an der Vermittlung zeitgenössischer Kunst im nationalen wie europäischen Kontext. Besonders interessierten ihn der französische Impressionismus und seine Auswirkungen.

Er zeigte Vincent van Gogh (1924) und Paul Gaugin (1928). Seine frühe Picasso-Ausstellung im Jahr 1914 wurde ein Achtungserfolg ebenso wie seine Ausflüge in die deutsche Malerei mit der Ausstellung der Künstlervereinigung Die Brücke (1913). Unter Mithilfe des Künstlers Alexander Zschokke entstand die Ausstellung Moderne Deutsche Malerei (1921). Einzelausstellungen zu Ernst Ludwig Kirchner (1923), Emil Nolde (1928) und Max Beckmann (1930) folgten. Empörung brachte ihm die Ausstellung Das neue Leben ein, bei der er 1918 erstmals kubistische Tendenzen im lokalen Kunstschaffen aufzeigte. Später wendete er sich wieder der französischen Kunst zu mit Ausstellungen über Henri Matisse (1931), Georges Braque und Marc Chagall (beide 1933).

1934 – 1949 Lucas Lichtenhan. Konkrete Kunst und Monets Seerosen

Der Kunsthändler Lucas Lichtenhan (1898 – 1969) der auf Empfehlung von Wilhelm Barth neuer Konservator wurde, führte die Tradition der Auseinandersetzung mit der französischen Kunst fort. Ausstellungen mit Werken von André Derains (1935), Paul Cézanne (1936), Maurice de Vlaminck (1938) und Eugène Delacroix (1939) waren der Auftakt seiner Amtszeit.

Für den Bereich der zeitgenössischen Avantgarde zog Lichtenhan den Bibliothekar und späteren Direktor des Kunstmuseums Georg Schmidt hinzu. So wurden Ausstellungen wie die Konstruktivisten (1937), die Neue Kunst in der Schweiz (1938) sowie Konkrete Kunst (1944) realisiert. Neben gestandenen Basler Künstlern zeigte Lichtenhan 1934 auch die junge Künstlervereinigung Gruppe 33, gerade einmal ein Jahr nach ihrer Gründung.

Da durch die Kriegszeit ein grenzübergreifender Ausleihverkehr kaum möglich war, wurden verstärkt Ausstellungen mit Werken aus Basler Privatsammlungen bestückt. Erst in der Nachkriegszeit knüpfte Lichtenhan wieder an die jüngere internationale Kunstgeschichte an. Im Jahr 1947 zeigte er Einzelausstellungen von Piet Mondrian, Henri de Toulouse-Lautrec, Oskar Kokoschka und Vincent van Gogh. Im Folgejahr entstand eine Gruppenschau mit Juan Gris, Georges Braque, Pablo Picasso sowie 1949 eine gross angelegte Ausstellung der französischen Impressionisten, bei der erstmals Monets Seerosenbilder ausserhalb Frankreichs ausgestellt wurden.

1949 – 1955 Robert Th. Stoll. Altägyptische Kunst und die „Phantastische Kunst des XX. Jahrhunderts“

Robert Th. Stoll (1919 – 2006) hatte Germanistik, Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie in Basel studiert und war nach seiner Promotion bereits Junior-Lecturer in Cambridge gewesen, als er mit dreissig Jahren das Amt des Konservators übernahm. Ihm wurde von der Kommission mit Dr. Christoph Bernoulli eine Art Mentor zur Seite gestellt, auf den unter anderem die Ausstellungen hochmittelalterlicher Tapisserien sowie von altem Silber zurückgehen.

Neben Ausstellungen zur Pariser Avantgarde wurde von Stoll auch Der Blaue Reiter (1950) gezeigt sowie die höchst eigenständig von ihm konzipierte Schau der Phantastischen Kunst des XX. Jahrhunderts (1952).

Immer wieder wagte Stoll aber auch Grenzüberschreitungen zu anderen Gebieten der Weltkultur, indem er Ausstellungen russischer Ikonen (1952) und altägyptischer Kunst (1953) zeigte. Neben anhaltender Kritik an der Diversität seines Ausstellungsprogramms hatte der umstrittene Direktor mit einer desaströsen Finanzlage zu kämpfen: Der steigende Gebäudeunterhalt sowie die sinkenden Einnahmen aus dem im Haus befindlichen Restaurant liessen sogar den Vorschlag der Schweizerischen Kreditanstalt auf offene Ohren in der Kommission des Kunstvereins stossen, die Kunsthalle abzureissen und in den neuen Hochhauskomplex des Kommerzinstituts zu integrieren. Nur durch Abtretung der letzten Rheinfähre, konnte die Aufgabe des eigenen Gebäudes im Jahr 1954 verhindert werden. Ein Jahr später wurde Robert Th. Stoll auf Druck der Kommission zum Rücktritt aufgefordert.

1955 – 1967 Arnold Rüdlinger. Die Schweizer und der Abstrakte Expressionismus

Als Arnold Rüdlinger (1919 – 1967) die Direktion der Kunsthalle übernahm, hatte er sich zuvor als junger Konservator an der Kunsthalle Bern schweizweit einen Namen gemacht. Hans Theler, Delegierter des Verwaltungsrats der National-Versicherung und Mitglied der Kommission sowie späterer Präsident des Basler Kunstvereis, unterstützte massgeblich die Wahl Rüdlingers. Theler war der Initiator einer der bedeutendsten Firmensammlungen der Schweiz und zugleich Mitglied der Sammlergemeinschaft „Peau de l’Ours“, für die Rüdlinger Ankäufe tätigte.

Im Jahr 1964 widmete Rüdlinger der Sammlung eine Ausstellung. Als grösstes Verdienst Rüdlingers gilt bis heute die erstmalige Präsentation des US-amerikanischen Abstrakten Expressionismus in Europa. Im Jahr 1958 zeigte er die mit dem Museum of Modern Art in New York vorbereitete Doppelausstellung Jackson Pollock und Die Neue amerikanische Malerei.

Neben Einzelausstellungen von Mark Rothko (1962) und Franz Kline (1964), die Rüdlingers Hinwendung zur USA und zur zeitgenössischen internationalen Kunst dokumentierten, galt sein Interesse auch Schweizer Positionen wie Karl Geiser (1957), Max Gubler (1959) oder Varlin (1967). Zudem verschloss er sich auch nicht historischen oder ethnologischen Ausstellungen wie den Meisterwerken griechischer Kunst, die anlässlich der Funfhundertjahrfeier der Basler Universität 1960 als Gastausstellung gezeigt wurde oder 1962 eine Schau über Die Kunst Neu-Guineas. Schon im Vorfeld hatte er Sam Francis in dessen Pariser Atelier besucht, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband und dem Rüdlinger eine Einzelausstellung widmen wollte. Diese wurde 1968, ein Jahr nach Rüdlingers plötzlichem Tod, realisiert.

1968 – 1973 Peter F. Althaus. Die offene Kunsthalle

Peter F. Althaus (geb. 1931) trat nach dem Tod Arnold Rüdlingers dessen Nachfolge an, nachdem er zuvor fast ein Jahrzehnt das Kunstmuseum Luzern geleitet hatte. Althaus war nicht nur verdienter Museumsdirektor, sondern zugleich Herausgeber der Zeitschrift „Kunstnachrichten“ und beschäftigte sich zusammen mit dem Architekten Aldo Henggeler mit architektonischen wie städteplanerischen Konzepten, die aus der Idee des Strukturalismus hergeleitet waren. Neben Ausstellungen zur Schweizer Kunst wie Paul Camenisch (1970), Rudolf Maeglin (1970), Robert Müller (1971), Jean Tinguely (1972) und Dieter Rot (1972) wurde auch Internationales wie die Sidney and Harriet Janis Collection und Jean Dubuffet, beides 1970, oder die Argentinische Kunst der Gegenwart (1971) gezeigt.

Doch schon von Beginn seiner Amtszeit an äusserte Althaus ein zeitgemässes Misstrauen an der Institution Kunsthalle und dem Medium „Ausstellung“. So eröffnete er mit der Ausstellung Für Veränderungen aller Art im Jahr 1969 ein künstlerisches Experimentierfeld für raumgreifende, performativ erfahrbare Environments, die als Kollektivarbeit junger Künstler entstand. Das Publikum betrat die Kunsthalle über ein Fenster im ersten Stock, um die Hierarchie der räumlichen Abfolge zu brechen.

Ein Jahr später suchte er mit der Ausstellung Das offene Museum – die Stadt nach neuen Möglichkeiten das Kunstinstitut stärker ins urbane Umfeld zu integrieren und stellte utopische Vorschläge für städtebauliche Probleme vor. Wie er in seinem Vorwort zur Ausstellung schrieb, interessierte er sich dafür „die zeitliche und räumliche Situation kritisch zu erfassen“. Weitere politisch motivierte Ausstellungen sollten folgen, wie Kunst und Politik kuratiert von Georg Bussmann oder Kinder planen / Pop-Musik – Kommerz oder Revolte, beide 1971.

Um diesen Diskurs fortzuführen gab er den Oberlichtsaal als Offenen Saal für Diskussionen, Vorträge, kurzfristige Ausstellungen und Manifestationen frei. Neben diesen politisch umstrittenen Experimenten geriet Althaus auch durch die finanzielle Lage des Vereins unter Druck. Er war konfrontiert mit Mindereinnahmen bei den Werksverkäufen während der Ausstellungen und der unvorhergesehenen Verdoppelung der Kosten für die Gebäudesanierung, die während seiner Amtszeit abgeschlossen wurde. Schliesslich einigte sich Althaus mit der Kommission auf seinen Rücktritt und widmete sich stärker der Lehrtätigkeit.

1974 – 1976 Carlo Huber. Interimsleitung: Werner von Mutzenbecher und Maria Netter 1976 – 1978

Nach Peter F. Althaus‘ sehr politisch konzeptueller Arbeitsweise trat Carlo Huber (1932 – 1976) wieder in die Tradition internationaler Ausstellungen mit dem Fokus auf die amerikanische Minimal Art. Schon zu Amtsantritt zeigten sich erste Anzeichen seiner tödlichen Krankheit. Dennoch verantwortete er im Jahr 1975 namhafte Einzelausstellungen von Robert Ryman, Dan Flavin und Sol LeWitt.

Nach dem Tod von Carlo Huber übernahmen zwei Kommissionsmitglieder, der Künstler Werner von Mutzenbecher und die Kritikerin Maria Netter, die Interimsleitung der Kunsthalle. Auch sie setzten das Programm internationalen und regionalen Kunstschaffens mit Einzelausstellungen von Panamarenko, Hans R. Schiess und Marcel Schaffner, alle 1977, fort.

1978 – 1988 Jean-Christophe Ammann. Kunst als Ereignis

Jean-Christophe Ammann (geb. 1939) verband in seiner Amtsdekade, wie vormals schon als Leiter des Kunstmuseums Luzern, Präsentationen internationaler Kunst mit lokalem Kunstschaffen. Auf die amerikanische Szene ging er mit Ausstellungen ein wie Drei New Yorker Künstler: Robert Moskowitz, Susan Rothenberg, Julian Schnabel (1981) sowie Bruce Naumann (1986) und James Turrell (1987).

Neben der Kunst Nordamerikas wendete er sich wieder europäischen Kunstzentren zu und griff Strömungen aus Italien, 7 Künstler aus Italien (1980) und Deutschland, 12 Künstler aus Deutschland (1982) auf. Diese neue Schwerpunktsetzung manifestierte sich auch in Einzelausstellungen von Alighierio Boetti (1978), Enzo Cucchi, Francesco Clemente und Georg Baselitz, alle im Jahr 1984, sowie Walter Dahn und Rainer Fetting 1986. Im selben Jahr organisierte Ammann auch eine Gruppenausstellung mit Enzo Cucchi, Joseph Beuys, Jannis Kounellis, Anselm Kiefer die gleichsam den Höhepunkt dieser Auseinandersetzung mit der westeuropäischen Kunst darstellte.

Ammanns Interesse galt ebenfalls der Fotografie und dem Fotorealismus. Was sich bereits bei seiner Mitarbeit an der documenta 5 unter Harald Szeemann in der Abteilung „Realismus“ offenbarte hatte, wurde in der Kunsthalle mit Ausstellungen über Drei New Yorker Fotografen: Peter Hujar, Larry Clark, Robert Mapplethrope (1982) und Franz Gertsch (1986) fortgeführt. Zugleich beschäftigte er sich mit dem jungen Basler Kunstschaffen. So entstand etwa die Ausstellung 6 Basler Künstler (1981), mit Miriam Cahn, Rut Himmelsbach, Alex Silber, Anselm Stalder, Vivian Suter und Hannah Villiger. Auch neuen künstlerischen Ausdrucksformen wie der Tanzperformance zeigte sich Jean-Christophe Ammann sehr aufgeschlossen.

1988 – 1995 Thomas Kellein. Mit dem Fernrohr durch die Kunstgeschichte ins 21. Jahrhundert

Mit grossen thematischen Überblicksausstellungen, wie Mit dem Fernrohr durch die Kunstgeschichte (1989), Das 21. Jahrhundert – Mit Paracelsus in die Zukunft (1993) oder Welt-Moral. Moralvorstellungen in der Kunst heute (1994) versuchte Thomas Kellein kunsthistorisch fundierte Sichtweisen auf die Gegenwartskunst zu entwickeln. Ihn interessierte weniger die Ausstellung als Event, sondern vielmehr die Kombination gesetzter bisweilen auch historischer Positionen mit zeitgenössischen. So organisierte er zeitgleich Ausstellungen von Ernst Wilhelm Nay und Cindy Sherman; Martin Disler und Nam June Paik im Jahr 1991.

Die höchst diverse Auswahl der gezeigten Künstler verdeutlichte Kelleins fast enzyklopädisch anmutende Schau zeitgenössischen Kunstschaffens: Mike Kelley, Rudolf Schwarzkogler, Andy Warhol (alle 1993) sowie Rachel Whiteread (1994) oder Hiroshi Sugimoto, Roni Horn, Gerhard Merz, John McCracken (alle 1995). Der Wille zum umfassenden Überblick, der sich auch in umfangreichen Publikationen manifestierte, lotete auch die finanziellen Grenzen der Institution aus.

1996 – 2002 Peter Pakesch. Malerei in Bewegung: Von Kippenberger bis Qiu Shi-hua

Der österreichische Ausstellungsmacher und Galerist Peter Pakesch entwickelte ein internationales Ausstellungsprogramm das weniger vom Mainstream, denn von der präzisen Beobachtung der Entwicklung der zeitgenössischen Malerei geprägt war: Michael Majerus (1996), Albert Oehlen (1997), Martin Kippenberger und Rèmy Zaugg (beide 1998), sowie Qiu Shi-hua oder Christopher Wool im Jahr 1999, Franz Ackermann (2000, 2002) und die Gruppenausstellung Painting on the Move (2002) – in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel – waren Ausdruck dieser spezifischen Sichtweise.

Dabei vernachlässigte Pakesch andere künstlerische Ausdrucksformen keineswegs und wagte zugleich den Blick nach Westen wie nach Osten. Ablesbar wird dies an Einzelausstellungen wie Edward Krasinski, Franz West, Jason Rhoades, Diana Thater (alle 1996); Olafur Eliasson, Pawel Althamer, Liz Larner (alle 1997) oder John Bock, Candida Höfer, Maurizio Cattellan (alle 1999) und Stan Douglas (2001).

2003 – 2014 Adam Szymczyk. Kritische Konzepte

Der polnische Kurator und Mitbegründer der Foksal Gallery Foundation, Adam Szymczyk verwandelte im Laufe seiner elfjährigen Amtszeit die Kunsthalle in eine Institution, die sich insbesondere konzeptueller, institutionenkritischer, junger zeitgenössischer Kunst widmete. Sein internationales Programm zeigte neben osteuropäischen Positionen – Piotr Uklanski (2004), Artur Zmijewski (2005), Dan Perjovschi (2007), Jan Mancuska (2008) – besonders künstlerische Positionen, die sich kritisch mit dem Betriebssystem Kunst und seiner Repräsentationsweisen auseinandersetzten: Superflex (2005), Gustav Metzger (2006), Peter Friedl (2008), Goshka Macuga, Danh Vo (beide 2009), Matthieu Kleyebe Abonnenc und Adrian Melis (2013).

Diese Hinterfragung formuliert Szymczyk auch in thematischen Ausstellungen wie How to Work und der Folgeausstellung How to Work (More for) Less (beide 2011). Zudem beschäftigte er sich in anderen thematischen Ausstellungen mit der Konstruktion und Rekonstruktion von historischen Ereignissen, Episoden und Narrationen, die einen anderen Blickwinkel auf eine kausale Geschichtsschreibung eröffnen sollten: QUAUHNAHUAC, Die Gerade ist eine Utopie (2006), Report on Probability (2009), Strange Comfort (Afforded by the Profession), Regionale – The Village Cry (beide 2010), Ross Birrell und David Harding, Winter Line (2014). Auch Einzelpositionen, die in der Kunstgeschichtsschreibung eher randständig behandelt wurden, rückt er ins Blickfeld mit Retropsektiven zu Lee Lozano (2006), Bas Jan Ader (2007) und Nasreen Mohamedi (2010).

2014 – heute: Elena Filipovic. Experimentelle Ausstellungsformate

2014 begann für die Kunsthalle Basel ein neues Kapitel mit der in Los Angeles geborenen Kunsthistorikerin und Kuratorin Elena Filipovic an ihrer Spitze. Die erste weibliche Direktorin der Institution setzt mit ihrem Ausstellungsprogramm die angesehene Tradition der Kunsthalle Basel, aufkommende Künstlerinnen und Künstler sowie experimentelle Ausstellungsformate zu zeigen, fort. Das Programm wurde mit dem Beginn der ersten institutionellen Einzelausstellung der Performance-Künstlerin Zhana Ivanova eingeweiht. Die Ausstellung wurde als „laufende Retrospektive“ konzipiert, welche in Kapiteln solange stattfinden wird, wie Filipovic Direktorin ist. Weiter fanden bisher von Künstlern kuratierte Ausstellungen mit Mark Leckey und Vincent Meessen (beide 2015) statt, sowie bedeutende Einzelausstellungen mit Vincent Fecteau, Anicka Yi, Maryam Jafri, Andra Ursuta (alle 2015) Marina Pinsky, Sam Lewitt, Yngve Holen, Anne Imhof, Erin Shirreff und Lynette Yiadom-Boakye (alle 2016). Weitere Einzelausstellungen für 2017 sind geplant mit Sadie Benning, Maria Loboda und Yan Xing sowie eine Gruppenausstellung mit dem Titel Ungestalt über zeitgenössische, künstlerische Arbeiten, welche die Grenzen des Gestalt-haften ausloten.