Unser Buchladen verfügt neben hauseigenen Publikationen über eines der anspruchsvollsten und hochwertigsten Sortimente an Ausstellungskatalogen, Monographien und theoretischen Publikationen zu zeitgenössischer Kunst und Architektur in Basel. Neben einer Auswahl neuester Fachmagazine und Bücher, beinhaltet das Angebot monatlich neu zusammengestellte Literatur zu den Ausstellungen der Kunsthalle Basel und des S AM Schweizerisches Architekturmuseums.

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Aktuelle Buchempfehlungen

Joachim Bandau, Frühe Skulpturen 1967–1974
Dieser ansprechende Katalog, der Joachim Bandaus skulpturales Werk von 1967–1974 vorstellt, lädt uns ein, in Texten von Eva Kraus, Thomas Heyden, Walter Grasskamp und Astrid Manita, die Arbeit des Künstlers zu reflektieren. Der Band erschien anlässlich der Ausstellung im Neuen Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg 
2016. Zusammengefasst in einem handlichen Softcover, zeigt es auf 150 Seiten zahlreiche grossformatige Fotos von Bandaus Werk in Schwarz-Weiss und Farbe. Diese fesselnde Werkdokumentation ist eine politische Reflexion über die Verbindung zwischen Maschine, Unterdrückung, Manipulation sowie der zunehmenden Virtualisierung und Kommerzialisierung des Menschen. Oft inspiriert vom menschlichen Torso sind die Formen minimalistisch und glatt, wandlungsfähig und sinnlich. Obwohl das Werk des Künstlers vorwiegend in den späten 60er und 70er Jahren entstand, finden wir heute die Entwicklung unserer eigenen Gesellschaft in ihr widergespiegelt.
Empfehlung von Rinny Biberstein, Leiterin Empfang und Buchladen

What’s next? Kunst nach der Krise ein Reader von Johannes M. Hedinger und Torsten Meyer (Hg.)
Dieser Reader über zeitgenössische Kunst stellt sich der schwierigen Frage, was die Lösung nach einer Krise und was für die Entwicklung zukünftiger Ereignisse essentiell, originell und einflussreich sein könnte: Zum Beispiel wegweisende Künstler*innen oder bahnbrechende Ideen in der Kunstwelt, der Bildung, den Kunst- und Kulturwissenschaften, der Kunstpraxis sowie in Design, der Kommunikation und den Neuen Medien. Kunst nach der Krise umfasst Texte von über 304 Autor*innen, darunter über 170 Essays und Interviews sowie über 150 Thesen. Das umfangreiche Nachschlagewerk greift schriftliche Diskussionen aus den letzten 3000 Jahren auf, den Kern bilden dabei Texte aus dem letzten Jahrhundert. Es blickt somit auf aktuelle Debatten über die Produktion, Verteilung und Rezeption heutiger Kunst im globalen Kontext und bezieht sich dabei immer wieder auf das dahinterstehende Betriebssystem, das diesen Diskurs antreibt.
Empfehlung von Rinny Biberstein, Leiterin Empfang und Buchladen

Of Other Spaces, Where Does Gesture Become Event? herausgegeben von Sophia Yadong Hao
Dieses Buch vereint, würdigt und zelebriert Texte von Künstlerinnen über die Kunst von Frauen. Es befasst sich vor allem mit der künstlerischen Praxis von Frauen in den 70er und 80er Jahren und fördert den Dialog darüber: Es zeigt deren Organisation, Zusammenarbeit und die Praxis des Widerstands auf und befeuert gleichzeitig die dynamische Entwicklung eines offenen Dialogs, um gegen die Norm zu handeln. Der Titel ist eine Hommage an Hannah Arendts Verständnis von Politik als «Erscheinungsraum», wo Menschen durch Zuhören und Handeln interagieren. Wenn wir die politische Welt als eine flüchtige Welt betrachten, dann ruft dieses Buch dazu auf, gegen die Kräfte, die diese Welt lenken zu handeln und bewegt dazu, unser Denken zu verändern und Möglichkeiten zu finden, um innerhalb des bestehenden Systems zu protestieren.
Empfehlung von Rinny Biberstein, Leiterin Empfang und Buchladen

Corona Tales, Let Life Happen to You wurde 2020 von Chus Martínez geschrieben und veröffentlicht, gerade als die Coronavirus-Pandemie begann von der Welt ihren Tribut zu fordern. Ursprünglich täglich auf Instagram veröffentlicht, erzählen sie von Martínez’ Kindheit und ihren Grosseltern, welche die Spanische Grippe durchlebten. Ihre Geschichten reflektieren, was im Laufe der Zeit in der Familie geteilt wurdeeiniges davon wahr, anderes fantasievoll von ihr weitergesponnen. Angetrieben durch die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen der Spanischen Grippe und der Coronavirus-Pandemie war es Martínez ein dringendes Anliegen, mit ihrer Familie und Freunden in Kontakt zu treten, für ihren Studierenden da zu sein und in Zeiten von sozialer Distanz und Abriegelung Brücken zu schlagen. Indem sie hundert Tage lang täglich eine Geschichte schrieb, etablierte sie ein Schreibritual, welches ihr ermöglichte, Grenzen zu überschreiten und Herzen und Köpfe zu erreichen. Diese generösen Erzählungen ziehen aber noch mehr Grosszügigkeit nach sich: Die gesamten Einnahmen des Buchverkaufs gehen zugunsten der Tätigkeiten der Kunsthalle Basel, gespendet von Martínez.
Empfehlung von Rinny Biberstein, Leiterin Empfang und Buchladen

Das Buch erzählt ein ganzes Leben. Das Leben der Künstlerin Lilly Keller. Im Gespräch mit Fredi Lerch und als literarisches Porträt geht sie zurück in der Geschichte. Sie erinnert sich an früher auf der Suche nach ihrer eigenen Kunst, an Begegnungen mit bekannten Namen der damaligen Zeit. Sie beschreibt die Kunstszene der 1950er und 60er Jahre in Bern und ihr privates Universum La Fenettaz in einem Waadtländer Bauernhaus. Ihre Collagen, Ölbilder und später selbst gewobenen Tapisserien sind inspiriert von der Natur und der Sammlung an seltenen Bambussorten aus der ganzen Welt in ihrem Park. Die vielen Anekdoten von damals versetzen einen zurück in der Zeit. Ihre Kommentare bis heute geben Einblick in ihre Gedankenwelt und ein gelebtes Leben. «Mit dem Willen erreichst du nichts. In der Kunst ist der Wille das Schlechteste. Das Nächste kommt einfach. Du darfst es nur nicht wollen.» (Lilly Keller)
Empfehlung von Eveline Wüthrich, Mitarbeiterin Buchladen

Das Faszinierende an Carl Andre ist, dass seine künstlerische Praxis genauso voller Zeichen und Formen ist, wie sie auch Freiräume und Lücken zulässt. Das spiegelt auch der Katalog über seine grossflächige Installation Black Wholes in den Sälen der Kunsthalle Basel von 2005 wider. Der handliche Katalog transportiert das Aufeinanderprallen von Ordnungsprinzipien, wie sie typisch sind für Carl Andre – den bedingungslosen Minimalisten, der gleichzeitig detailversessener Liebhaber ist. Andre liebt konstruiert-labyrinthische Linien und Felder. Der 63-seitige Katalog führt uns mit vielen grossformatigen Fotografien, Interviews und Notizen durch Andres meditativen Rhythmus von Graphit-Steinen und -würfeln, entlang an seiner konkreten Poesie und seinen lyrischen Fragmenten. Black Wholes lässt uns vermuten, dass dort etwas zu entdecken ist, wo wir dachten, nur eine Lücke zu sehen.
Empfehlung von Maximilian Rück, stellvertretender Leiter Empfang und Buchladen

Wenn wir unseren Körper durch die Alltagswelt bewegen (und manchmal manövrieren), richten wir uns physisch auf Objekte und andere Körper aus – oder bewegen uns von ihnen weg. In Queer Phenomenology zeigt die Autorin Sara Ahmed auf, wie Orientierung und Navigation unsere sozialen Beziehungen prägen und wie es Queerness schafft, diese Routinen zu stören und neu zu ordnen. Ahmeds philosophische Abhandlung half mir bei der Vorbereitung von Führungen durch die Gruppenausstellung Bizarre Silks, Private Imaginings and Narrative Facts, etc. von Nick Mauss. Die Ausstellung zeigt Werke die zu ihrer Zeit teils heftig und kontrovers diskutiert wurden, von Künstler*innen, die sich (provokativ) mit typischen Themen des queeren Körpers wie (Un)Sichtbarkeit, Vorurteilen, HIV und Silencing auseinandersetzen. Die Relevanz dieser Werke ist im Laufe der Zeit erstaunlicherweise nicht weniger geworden und so erinnern sie uns auch heute noch daran, wie auch Ahmeds Texte, Räume zu beanspruchen und uns diese wieder anzueignen.
Empfehlung von Katrin Krumm, ehemalige Praktikantin PR & Kommunikation

Wenn wir uns mit dem Begriff der Versöhnung beschäftigen, finden wir ganz unterschiedliche Definitionen. Ist Versöhnung eine individuelle Angelegenheit, ein notwendiges Mittel das weiteres Zusammenleben ermöglicht oder eine politische Aufgabe? Anhand des Briefwechsels zwischen Arendt und dem Nationalsozialisten und Philosophen Heidegger nähern sich die Autor*innen in Über Versöhnung dieser Frage. Die Freundschaft der Beiden zeigt den Umgang mit ethisch nicht tragbaren Meinungen auf. Dabei steht die Trennbarkeit von Werk und Autor*in im Zentrum. Als möglichen Ausweg plädiert Thomas in seinem Essay für eine Aufhebung der philosophischen Autorität. «Wenn [Heidegger] in dieser Hinsicht so vollkommen daneben lag – wo lag er sonst noch daneben?» fragt Thomas und zeigt, dass eine Trennung von Werk und Autor*in zur Versöhnung nicht notwendig ist – vielmehr müssen wir uns in kritischem Lesen üben.
Empfehlung von Fiona Kauer, ehemalige Mitarbeiterin Empfang und Buchladen

Valentine Schlegel: je dors, je travaille gibt Einblick in das Leben und Schaffen der französischen Künstlerin Valentine Schlegel. Schlegel wurde 1925 in Sète, einer Hafenstadt im Südosten Frankreichs, geboren und das Aufwachsen in einer Handwerkerfamilie prägte ihre Beziehung zu Werkzeugen und ihre Liebe zu Handgemachtem. Sie schuf kurvenreiche Keramikvasen, deren Konturen von Umrissen von Pflanzen und Muscheln inspiriert sind, Steinzeug-Pfeifen in Vogelform und skulpturale Gipskamine. Das Buch zeigt mit den poetischen Fotografien wie Valentine Schlegel einfach und trotzdem sehr genussvoll im Süden lebte, setzt sich aber auch mit der Problematik auseinander, Kunst zu erschaffen, welche für persönliche Räume konzipiert ist und daher im Museumssystem wenig Platz hat. Dies erklärt auch die leider begrenzte museale Präsenz von Schlegel und macht das Buch für mich umso wichtiger.
Empfehlung von Salomé Neuhaus, Mitarbeiterin Empfang und Buchladen

Die ausführliche Geschichte des Werks von Carol Bove beginnt im Jahr 2015 in London. Wir schlängeln uns zwischen Skulpturen und Installationen durch, springen dann zurück ins Jahr ‘98 nach Brooklyn, von wo wir uns chronologisch weiterbewegen und uns dabei auf Boves zahlreiche Stile und ihre Karriere als Künstlerin konzentrieren. Herbert schärft durch kunsthistorische Bezüge unser Bewusstsein für die Entschlüsselung ihres Werks und vermittelt es uns alle 4-6 Seiten mit einem Bild. Wir erfahren, dass Boves Werke aus dem Jahr 1998 von Pin-ups aus den 60er Jahren inspiriert sind oder sie ihre Arbeit beispielsweise mit Feminismus, Buddhismus, Pfauenfedern oder Treibholz zu verbinden weiss. Ein federleichtes Buch – der Einband, eine grasgrüne Nahaufnahme eines ihrer neuesten Werke, Icon, 2019. Ich kann es nur empfehlen, die Inspiration ist endlos.
Empfehlung von Rinny Biberstein, Leiterin Empfang und Buchladen

Von der deutsch-iranischen Künstlerin Bettina Pousttchi gibt es gleich mehrere Kataloge, in denen ich gerne blättere – vor allem in ihrem Bildband Framework. Mit ihren Fotografien und Skulpturen streift Pousttchi Momente, die uns in unserem Alltag permanent begleiten. In ihr entdecke ich ausserdem immer wieder Orte, an denen mich mein eigener Weg oft vorbeiführt: Ihre riesigen Installationen am Basler Messeplatz und in der Frankfurter Kunsthalle oder ihre provokante aber feinfühlige Miniatur-Nachbildung vom Palast der Republik in Berlin. Obwohl ich Pousttchis Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel 2011 nicht selbst gesehen habe, kann ich mit dem Katalog Framework durch ihre Installation wandern. Die merkwürdig aufgetürmten Absperrgitter, Fotografien von bildschirm-verzerrten Uhren und Flughafen-Szenen sprechen mich visuell an, verunsichern mich und machen mich neugierig.
Empfehlung von Maximilian Rück, stellvertretender Leiter Empfang und Buchladen

Humorvoll, raffiniert, praktisch … auf das kleinformatige Büchlein Wie man Bücher klaut von David Horvitz treffen viele Adjektive zu. Der amerikanische Künstler bringt auf 80 Seiten insgesamt 80 in grosser Schriftart verfasste Vorschläge zusammen, auf welchem Wege ein Buch aus einer Buchhandlung geklaut werden kann und beantwortet mir so auf unglaublich viele Arten eine Frage, die ich nie gestellt habe. Dabei reichen seine Ideen von kurz und knapp formulierten pragmatischen Tipps über umständlich und ausführlich beschriebene Hinweise. Diese regen mein eigenes Vorstellungsvermögen an und bringen mich zum Schmunzeln – der humoristische Charakter dieses Büchleins hinterlässt eine philosophische Note, die inspiriert. Sei es zum Klauen von Büchern, zu der kreativen Umsetzung einer Thematik oder aber zur Erweiterung des eigenen Horizonts.
Empfehlung von Nora Weber, Mitarbeiterin Empfang und Buchladen

Auf dem Buchrücken steht in fetter Schrift SONTAG. Auf dem Umschlag ist ein Schwarz-Weiß-Bild des glamourösen Sujets, das mit einer Silbentrennung versehen ist. Susan Sontag: Kritikerin, Intellektuelle, Cinephile, Tagebuchschreiberin, Romanautorin, Dramatikerin, Aktivistin und Filmemacherin. Ich lese es, weil Susan Sontag eine wahnsinnig scharfsinnige Leserin von Kultur war, deren Schreiben mich persönlich immer wieder inspiriert – sowohl für das, was sie in ihren glühendsten Momenten besser als jeder andere getan hat, als auch für das, was ihr manchmal nicht gelang. Nennen Sie es Inspiration durch Abwesenheit! Dazwischen und um den Einband und den Buchrücken herum sind 816 Seiten knallharter biografischer Untersuchungen, gehässiger Details, schonungsloser Fakten und einiger billiger psychologischer Interpretationen, aber vor allem prächtige Schriften über Sontag, die Schriftstellerin, den Menschen, die Liebhaberin, und sagen wir es mal so, den egoistischen Fiesling. Mit anderen Worten, genügend Seiten, um Sie zu begleiten, wenn Sie eine laaaaange Ablenkung brauchen.
Empfehlung von Elena Filipovic, Direktorin