Bjornstjerne Christiansen, Jakob Fenger, Rasmus Nielsen

SUPERFLEX

SUPERSHOW

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Die dänische Künstlergruppe SUPERFLEX (Rasmus Nielsen, Jakob Fenger und Bjørnstjerne Christiansen) arbeitet seit 1993 an einer Reihe von Projekten, die sich mit den Fragen nach ökonomischen Kräfteverhältnissen, demokratischen Produktionsbedingungen und Selbst-Organisation auseinandersetzen. In Projekten in Brasilien, Thailand und Europa haben die Künstler alternative Energieerzeugungen und Produktionsweisen von Waren untersucht, die ökonomische Strukturen sichtbar machen und angreifen.
Eines der bekanntesten Projekte ist GUARANÁ POWER, das SUPERFLEX 2003 in Brasilien zusammen mit den Bauern, die koffeinhaltige Beeren der Guaraná-Pflanze anbauen, realisiert hat. Die Bauern stellten gemeinsam mit den Künstlern ein Getränk her, für das ein eigenes Logo und eine Markenphilosophie entwickelt wurde. Mit der Unterstützung dieser Eigen-Initiative der Produzenten antwortet das Projekt auf das Preisdumping der Guaraná-Beeren durch die grossen Firmen, die das Monopol auf die Pflanze und Marke „Guaraná“ besitzen. Die Entwicklung von GUARANÁ POWER basiert auf der Intention, globale Marken und ihre Strategien als Rohmaterial für ein ökonomisches und soziales Gegenmodell zu benutzen. Die Produktionsidee ist einer unabhängigen Vereinigung übergeben worden, die das Getränk weiterhin produziert und vertreibt und ist somit ein laufendes Projekt.
1997 entwickelten die Künstler mit Hilfe von dänischen und afrikanischen Ingenieuren im Rahmen des Projektes SUPERGAS in Ostafrika eine einfache, mobile Biogas-Einheit. Dieses alternative System produziert genügend Energie zum Kochen und zur Beleuchtung für einen ganzen Haushalt. Betrieben wird das Biogas-System mit organischem Material, wie zum Beispiel tierischen Fäkalien, und nutzt damit einen natürlichen, in seiner Gewinnung frei zugänglichen Rohstoff. Für einen geringen Betrag kann eine afrikanische Familie dieses Biogas-System kaufen und erlangt damit eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit und Selbstversorgung.
SUPERFLEX bezeichnen ihre Projekte als TOOLS, als Vorschläge, die zur aktiven Kommunikation einladen und experimentelle Modelle entwickeln, die herrschende ökonomische Produktionsbedingungen hinterfragen. Mit Hilfe von ExpertInnen, die ihr jeweiliges Fachwissen beisteuern, initiieren SUPERFLEX ihre TOOLS, die ihre BenutzerInnen zur aktiven Teilnahme auffordern. Angelegt als „Open Source“ können die TOOLS von ihren BenutzerInnen weiterverwendet und modifiziert werden. So haben SUPERFLEX in SUPERCOPY / SOCIAL PUDDING, 2003 in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig zusammen mit Rikrit Tiravanija eine Infrastruktur für die Herstellung von Pudding entwickelt. Damit legten sie die ökonomische Struktur der Institution, die von Dr. Oetker finanziell unterstützt wurde, offen. Die Mitarbeiter der Institution stellten in der Ausstellung ein Kopieprodukt aus dem Dr. Oetker-Sortiment her und die BesucherInnen waren eingeladen, eigene Puddingsorten zu kreieren. Mit ihren TOOLS setzen SUPERFLEX wichtige Kommunikationsprozesse in Gang, die produktiv über wirtschaftliche Machtverhältnisse und Hegemonien nachdenken und über den Kunstdiskurs hinaus reale, soziale Bedürfnisse thematisieren. Mit ihren Projekten hatten SUPERFLEX in den letzten Jahren internationalen Erfolg. So zeigten die dänischen Künstler unter anderem 2004 Einzelausstellungen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, der Redcat Gallery in Los Angeles und der gallery side 2 in Tokyo. 2003 war SUPERFLEX im Rahmen der Ausstellung Utopia Station an der Biennale in Venedig vertreten.

In der Kunsthalle Basel zeigt SUPERFLEX das Projekt SUPERSHOW. Seit einiger Zeit interessieren sich die drei Künstler für die Erzeugung von Mehrwert: Wie entsteht er und von welchen Mechanismen wird er beeinflusst? Ausgehend von der Tatsache, dass Museen und Institutionen in den 90er Jahren zunehmend zu Marken geworden sind oder als solche wahrgenommen werden, untersuchen die Künstler den Mehrwert der Kunsthalle: Die Kunstinstitution wird mit ähnlichen ökonomischen und sozialen Fragestellungen wie die Marken „Nike“ oder „Ikea“ konfrontiert. Die Kunsthalle Basel mit ihrem prägnanten historischen Hintergrund hat bereits diverse Identitätsfindungsprozesse erfahren, die von Direktoren und Ausstellungen beeinflusst wurden. Im letzten Jahr hat die Kunsthalle durch die umfassende Renovation und das neue Logo ein verändertes Gesicht erhalten.
Mit der „SUPERSHOW – more than a show“ unterzieht SUPERFLEX die Institution einer genauen Analyse und konfrontiert die BesucherInnen mit der Steigerung des Wertes der Kunsthalle seit ihren Anfängen. Der „Kunsthalle-Faktor“ wird von verschiedenen Experten berechnet, deren ökonomischen, kunstmarkt-orientierten Perspektiven in der Ausstellung vorgestellt werden. So wird der Kunsthalle-Faktor unter anderem aus der durchschnittlichen Differenz des einstmaligen Wertes von ausgestellten Kunstwerken und ihrem heutigen Wert berechnet. Der Mehrwert der Kunsthalle ist jedoch nicht nur durch ökonomische Werte definierbar. Aus diesem Grund wird SUPERFLEX auch den ideellen Wert der Institution aufzeigen. Im Zentrum der künstlerischen Aufmerksamkeit steht vor allem das Publikum: Die BesucherInnen werden zum Gegenstand und gleichzeitig zu Produzenten der SUPERSHOW. Die Ausstellung wird selbst zu einer „Wertsteigerungsmaschine“, in welcher die BesucherInnen eine aktive Rolle bekommen und einen Mehrwert produzieren, der als dynamischer Prozess der Marke „Kunsthalle“ weitere Definitionen geben kann.

Unterstützt von The Danish Arts Council, Committee for International Visual Art.