Aaron Ritschard, Aline Zeltner, Andreas Arndt, Beat Presser, Dan Solbach, DAR, Dominique Gilliot, Doris Lasch / Ursula Ponn, Emanuel Rossetti, Gina Folly, Hannah Weinberger, Heike Aumüller, Helen Feifel, Jan Vorisek / Mathis Altmann, Jessica Twitchell, Kaspar Müller / Thomas Julier, Ludovic Balland, Lukas Wassmann, Mark Pezinger Verlag, Pedro Wirz, Provence, Raphael Linsi, Reto Pulfer, Salome Ghazanfari, Samantha Bohatsch, Thomas Geiger, Tobias Kaspar, Tobias Madison, Used Future, Valentina Stieger, Walter Pfeiffer

Regionale

The Village Cry

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Vernissage: Samstag, 27. November 2010, 19 Uhr

Es sprechen:
Dr. Guy Morin, Regierungspräsident des Kantons Basel Stadt
Adam Szymczyk, Direktor Kunsthalle Basel

Anschliessend
Regionales Konzert
Performance von Hannah Weinberger

Sunday Special: Sonntag, 28. November 2010, 14 – 17 Uhr
Performances von Dominique Gilliot und DAR
& Magazinvernissage Used Future #48 von Walter Pfeiffer

The Village Cry

« … sie wählten Basel (vorerst); und wenn sie auch darauf
hinweisen, dass der Titel Village Cry etwas mit McLuhans «Planetary
Villages» zu tun habe, so ist doch nicht zu übersehen (…), dass
«Village» weniger mit dem New Yorker Greenwich als mit der Ville
de Bâle zu tun habe, wo ein «Cry», ein Schrei also, nötiger sei.»

(Auszug aus «Urschrei», The Village Cry, Nr. 3, März / April 1977, S.3)

Die Kunsthalle Basel freut sich, anlässlich der diesjährigen Regionale die Gruppenausstellung The Village Cry mit über 30 Mitwirkenden zu präsentieren. Inspiration zur Ausstellung gab die Zeitschrift The Village Cry, die Ende der siebziger Jahre von Beat Presser und Rolf Paltzer in Basel herausgegeben wurde. Der unkonventionelle Ansatz des Hefts in Schwarzweiss, das Beiträge zu Mode, Fotografie, Film, Architektur und Kunst beinhaltet, war geprägt von einer disziplinübergreifenden Zusammenarbeit, einer innovativen Gestaltung und einer geballten Ladung Energie – einer Energie, die in der Region in und um Basel erneut vermehrt auch in kollaborativen Projekten zu finden ist. Jüngere Kunstschaffende setzen heute wieder verstärkt um, was die Herausgeber des Village Cry bereits vorweggenommen hatten: Man arbeitet kooperativ und trans- oder interdisziplinär, ist international bestens vernetzt und bewegt sich mit grosser Neugier und ohne Berührungsängste in allen Bereichen kreativen Arbeitens.

Die Ausstellung The Village Cry reflektiert einerseits die historische Zeitschrift und bindet sie in einen zeitgenössischen Kontext ein. Alle Ausgaben wurden reproduziert und sind auf Bahnen gedruckt an der Wand präsentiert. Die Gegenwartskunst tritt andererseits in einen Dialog mit diesem zeitgeschichtlichen Material. Beide ergänzen, erweitern und verändern sich gegenseitig. Einige der ausgestellten Arbeiten nehmen explizit Bezug auf das Magazin, u. a. Lukas Wassmann und Dan Solbach mit einem Kalender zum Mitnehmen (Calendar I–IV, 2010) oder Ludovic Balland mit einer Plakat-Sonderedition zur Ausstellung. Andere Positionen spiegeln inhaltliche Themen wie Identität, Körper und Mode – etwa die installativen Arbeiten, Objekte und Zeichnungen von Salome Ghazanfari, Samantha Bohatsch oder die Fotografien Walter Pfeiffers. Der institutionelle Rahmen sowie die Präsentationsweise von Ausstellungen werden in der digitalen Animation utopischer Museumsarchitekturen von Emanuel Rossetti untersucht. Das gleiche gilt für Jessica Twitchells Stunning Sculpture I (2010), in der Ausstellungssockel zu einer Skulptur zusammengefügt und mit ornamentalen Drucken beklebt wurden. Marktmechanismen stellt Thomas Geiger mit seiner Arbeit I want to
become a millionaire
(2010) in Frage, wenn er die zusammengetragenen Summen zur Unterstützung des von ihm mitbegründeten Mark Pezinger Verlags auf einem Plakat dokumentiert.

Neben eigenen Arbeiten realisieren viele der eingeladenen Kunstschaffenden gemeinsam mit anderen Künstlern Werke, kuratieren Ausstellungsprojekte oder sind verlegerisch tätig. Diese Tendenz reflektiert bspw. Pedro Wirz mit seiner Arbeit Curated Sculpture #2 (2010). Er entwarf mit dem Innenarchitekten Luiz Albisser einen abgeschrägten Kubus und lud den befreundeten Kunsthistoriker John Beeson ein, darauf ausgewählte Texte zu präsentieren. Wirz ist gemeinsam mit Rapael Linsi, Tilmann Schlevogt und Claudio Vogt auch Mitinitiator des Projekts the forever ending story, neben New Jerseyy und Galen eines der vielen Ausstellungsprojekte, die in den letzten fünf Jahren in und um Basel entstanden sind. Auch wenn die Haltungen hinter den einzelnen Initiativen in Basel teilweise sehr unterschiedlich sind, zeigt sich bei allen Projekten ein zeittypisches Phänomen: So ermöglicht die Selbstorganisation und Identifikation mit einer Interessensgruppe ein dynamisches und fokussiertes Agieren im Feld der Kunst sowohl in einem nationalen als auch internationalen Kontext. Im Gegensatz zum klassischen Off-Space, der sich im Verhältnis zu den lokalen Institutionen positioniert und vor allem vor Ort vermittelt, ist der Begriff des «Lokalen» bei neueren Ausstellungsinitiativen fliessend. Die Projekte sind via Internet «global» präsent und die Ausstellungen werden dort organisiert, wo man sich gerade aufhält oder eingeladen wird. Basel bleibt jedoch als Ausstellungs- und Arbeitsort eine Basis und ist neben New York, Berlin oder London eine weitere gültige Option, Aufmerksamkeit einzufordern.

Ein Regionales Konzert vor Ort organisiert Hannah Weinberger, indem sie 40 Kunstschaffende und Freunde einlädt im Rahmen ihrer gleichnamigen Performance am Eröffnungsabend im Oberlichtsaal gemeinsam zu musizieren. Keine Partitur, sondern Zufall und Interaktion zwischen den Musikern bestimmen das musikalische Resultat. Die Performancegruppe DAR zelebriert hingegen mit aufwendiger Kostümierung augenzwinkernd sakrale Gesänge. Dominique Gilliot schliesslich schreibt sich in alle Säle der Ausstellung mit verschiedenen Gesten ein, die u. a. das Bemalen der Wände umfassen, um so «die in der Kunsthalle übersehenen Stellen und Orte» zu definieren, wie die Künstlerin sagt, und diese in einem Rundgang und Kommentar zur Ausstellung aufzugreifen. Mit der Zusammenarbeit von Walter Pfeiffer und dem Fanzine-Projekt Used Future schliesst sich der Kreis: Walter Pfeiffer gestaltete 1976 für die vierte Ausgabe des Village Cry eine Illustration und präsentiert 34 Jahre später ein Fanzine mit Aufnahmen von jungen Basler KünstlerInnen und ihren Freunden. Der Schrei aus dem Dorf ist offensichtlich noch nicht verhallt und wird durch jüngere Stimmen verstärkt.

Die Ausstellung ist unterstützt von:
Roldenfund

< Online-Artikel zur Ausstellung: Badische Zeitung
< Fernsehbericht über die Ausstellung: TeleBasel

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